
Unter dem Begriff Wertung ist eine Handlung zu verstehen, mit der ein Subjekt einem Objekt die Eigenschaft zuordnet,
Literatur wertet und wird u.a. wie folgt bewertet.
Literatur wertet (Umstände, Figuren, Zustände) und wird bewertet (Kritik, Kanon, Zensur).
Wertungen lassen sich in zwei Formen unterscheiden:
Sprachlich formulierte Wertungen
sprachliche Wertungen können explizit oder implizit sei
- explizit: „Grass’ neuer Roman ist ein Meisterwerk.“
- implizit: „Grass’ neuer Roman ist sehr umfangreich.“
Dies beschreibt eigentlich einen neutralen Sachverhalt, steht der Satz allerdings z.B. in einem Buch, das „Die Geschwätzigkeit der deutschen Literatur“ heißt erscheint er mehr oder weniger wertend.
Wertende Handlungen
hier bilden Werte die Motivationsgrundlage einer Handlung. Diese Wertungen werden deswegen auch Motivationale Wertungen genannt.
Motivationale Wertungen manifestieren sich zumeist als Akte der Selektion:
Alle diese Wertungen treten in allen Bereichen des Handelns mit Literatur auf:
- Produktion (Autor)
- Rezeption (Leser)
- Distribution (Verleger, Lektor, Redakteur, Bibliothekar, Zensor)
- Verarbeitung/Kommunikation von Literatur (Literaturkritiker, -wissenschaftler, -didaktiker)
Beispiele:
Autor wählt Thema/Sujet, Behandlung, Form (z.B. Gedicht oder Novelle)
Leser wählt Buch und wertet: z.B. wieviel ist das Buch mir wert
- es wird als PDF irgendwo bei einer Tauschbörse heruntergeladen
- es wird als Buch in der Bibliothek geliehen
- es wird selbst gekauft
Kritiker wählt Buch für Literaturkritik und wertet explizit/implizit.
Verlag wählt Text zur Veröffentlichung aus.
Literaturwissenschaftler wählt Text/Autor zur Behandlung in Sekundärliteratur oder wählt Autor von dem z.B. eine H.-K.-Ausgabe erstellt wird, nimmt Werke in eine Literaturgeschichte auf oder nicht.
Bibliothekar wählt Buch zum Einkauf aus.
Zensor wählt Werk zur Zensur aus.






